Hermann-Weber-Forschungskolloqium „Demokratie und Dikatur im geteilten Deutschland“

Das Hermann-Weber-Forschungskolloqium stellte noch einmal die Forschungsfragen des Mannheimer Politikwissenschaftlers Hermann Weber zur Diskussion und erörterte das Verhältnis von Politischer Wissenschaft und Zeitgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-deutschen Beziehungen sowie die Zukunft der DDR Forschung. Professor Klaus Schönhoven arbeitete in seinem Vortrag zur Frage „Gibt es eine gesamtdeutsche Vergangenheit?“ prägnant das Spannungsverhältnis der miteinander verflochtenen und gleichzeitig durch wechselseitige Abgrenzung geprägten deutsch-deutschen Beziehungen heraus. Professor Christoph Kleßmann zeigte in seinem Vortrag zur Frage „War die DDR mehr als eine Randnotiz der Geschichte?“ die epochale Leistung der jüngeren DDR-Forschung und verwies auf noch offene Forschungsfragen, die über eine engere deutsche Nationalgeschichtsschreibung hinausreichen. Die Zeitzeugengespräche mit Weggefährten des Mannheimer Hochschulehrers zeigten, dass weder die historisch angeleitete Politikwissenschaft noch die Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur auf Hermann Weber, seine wissenschaftliche Expertise und persönliche Integrität hätten verzichten können.

Hier zu den „Fotos“der Veranstaltung

Hermann-Weber-Forschungskolloquium: „Demokratie und Diktatur im geteilten Deutschland“

HWK_BildDas Hermann-Weber-Forschungskolloquium zum Thema „Demokratie und Diktatur im geteilten Deutschland“ ist ein gemeinsames Projekt des Lehrstuhls für Zeitgeschichte der Universität Mannheim und des Sozialdemokratischen Bildungsvereins Mannheim/Ludwigshafen e.V. mit Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Freunde der Universität Mannheim.

Flyer mit weiteren Infos.

Hermann Weber. Ein Leben für die soziale Demokratie!

Hermann Weber ist tot. Der Sozialdemokratische Bildungsverein trauert um seinen Begründer und Ehrenvorsitzenden, der am 29.12.2014 gestorben ist.
Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Weber hat den Sozialdemokratischen Bildungsverein gegründet und bis zu seinem Tod aktiv begleitet. Sein letzter öffentlicher Auftritt war der Eröffnungsvortrag der Veranstaltungsreihe „Zeit der Extreme. Die kurpfälzische Arbeiterbewegung  zwischen KZ und GULag“ am 3. November 2014 in Ludwigshafen. Er machte noch einmal deutlich, dass die Gewaltregime des 20. Jahrhunderts und der stalinistische Massenmord in der Sowjetunion – nicht zuletzt an den eigenen Genossinnen und Genossen – zu den schwersten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit gehörten.
Sein Plädoyer für einen „freiheitlichen Sozialismus“ jenseits staatlicher Bevormundung war getragen von der Idee, dass erst ein gehegter Kapitalismus, das Streben nach gesellschaftlicher Chancengleichheit und die gelebte Demokratie Wohlstand und Freiheit zu sichern vermögen.
Sein wissenschaftliches Vermächtnis ist groß. Bis 1993 hatte Hermann Weber an der Universität Mannheim den Lehrstuhl für Politische Wissenschaften und Zeitgeschichte inne. Bis zuletzt nutzte er sein Arbeitszimmer an Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). Seine Studien zur Geschichte des Kommunismus und zur Arbeiterbewegung sind Standardwerke der Forschung. Nach dem Zusammenbruch der DDR hat er sich große Verdienste bei der Sicherung der DDR-Archive und der Aufarbeitung der SED-Diktatur erworben. Seine letzte große Arbeit, die von ihm mitherausgegebene Dokumentation „Deutschland, Russland, Komintern“ erschien im Dezember 2014 und ist Ausdruck seiner internationalen Vernetzung und Reputation, seiner großen Gelehrsamkeit und seiner unbändigen Schaffenskraft.
In diesem Sinne fühlt sich der Sozialdemokratische Bildungsverein dem Andenken Hermann Webers zutiefst verbunden. Die kritische Aneignung der Geschichte und die öffentliche Diskussion aktueller Themen bleibt für uns von zentraler Bedeutung gemäß unserer Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.
Mit Hermann Weber hat die Stadt Mannheim einen großen Sohn und Verfechter der sozialen Demokratie verloren. Für die Mitglieder des Sozialdemokratischen Bildungsvereins bleibt er stets ein Vorbild an Menschlichkeit und intellektueller Redlichkeit.

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„Zeitalter der Extreme“: Vernissage in Mannheim zum Nachhören!

Im Internetportal Freie-Radios.de gibt es die Möglichkeit die Beiträge unserer Gäste nachzuhören:

https://www.freie-radios.net/67636

Ausstellungseröffnung im Romnokher Mannheim am 1. Dez 14 mit einem Grußwort von OB Dr. Peter Kurz und Vorträgen des Soziologen/Historikers Prof. Manfred Wilke und Erhard Korn vom Vorstand der Rosa Luxemburg Stiftung BaWü, Begleitung der Veranstaltung am Klavier Pianist Sinto Musiker Ahorn Weiss. (Quelle: freie-radios.de)

„Geboren im GULag. Auf den Spuren der russischen Schriftstellerin Jewgenia Ginsburg“ – Ein Zeitzeugengespräch im Rahmen der Ausstellung „Zeitalter der Extreme“

Zum Abschluss der Ausstellung „Zeit der Extreme – die kurzpfälzische Arbeiterbewegung zwischen KG und GULag“ in den Räumen von Verdi in Ludwigshafen veranstalte der Sozialdemokratische Bildungsverein Mannheim-Ludwigshafen mit Herrn Dr. Jens Hildebrandt als Moderator ein überaus spannendes und intensives Zeitzeugengespräch. Unter dem Titel „Geboren im GULag. Auf den Spuren der russischen Schriftstellerin Jewgenia Ginsburg“ erzählte die russische Schauspielerin Antonina Axenowa, die Adoptivtochter von Jewgenia Ginsburg, im Gespräch mit dem Dokumentarfilmer Mario Damolin von ihren schrecklichen Erlebnissen der stalinistsichen Terrorherrschaft. Für Sie vergeht kein Tag, an dem Sie nicht an die ersten Lebensjahre in einem Kinderheim denken muss, das zum sowjetischen GULag in der Nähe der Hafenstadt Magadan gehörte. Wie und warum Axenowa ins Lager kam, weiß sie nicht. Während dieser harten Jahre lernte sie ihre Stiefmutter Jewgenija Ginsburg kennen. Ginsburg wurde neben Walam Schalamow und Alexander Solschenizyn zur literarischen Chronistin und weiblichen Stimme des GULag. Ihre späteren Erinnerungen Marschroute eines Lebens und Gratwanderung sind ausdrucksstarke Zeugnisse über den Häftlingsalltag in Magadan und den umliegenden Lagern. Antonia Axenova hat gemeinsam mit dem Heidelberger Filmemacher Mario Damolin den Ort ihrer Kindheit besucht. Sehr eindringlich schilderte Axenowa den Alltag der Häftlinge und die unterschiedliche Lebenssituationen in den verschiedenen Lagern. Aber auch die Zeit nach der Entlassung und die Auswirkungen der Haft auf ihre Eltern wurden beleuchtet. Als sie die Folgen der Krankheit Ihres Stiefvaters Anton Walter begriff, begann sie sich zu fragen, welche Personen oder welches System in der Lage sei, seinen Bürgern so etwas Schreckliches anzutun. Allerdings betonte Axenowa ebenfalls die Tatsache, dass die meisten der Inhaftierten auch unter diesen menschenverachtenden Umständen ihre Menschlichkeit bewahren konnten. Das ist ein Aspekt, der ihr bis heute großen Respekt abverlangt. Dennoch ist es sehr schwer möglich, die Ausweg- und Hoffnungslosigkeit der im GULag Inhaftierten nachzuvollziehen. Heute setzt sich die ein Teil der russischen Gesellschaft aktiv mit der Geschichte des GULag in dieser Region auseinandersetzen. So zeigte Damolin in Ausschnitten seinen Filmes engagierte russische Bürger, die in ihrer Freizeit Artefakte an den zunehmend zerfallenen Orten des GULags sammeln. Die Gegenstände und weitere Dokumente stellen sie in Ihren Privaträumen aus, da kein öffentlicher Raum zur Verfügung steht. Zwar bekommen diese Bürger von offizieller Seite wiederholt Angebote, die Sammlung abzugeben. Allerdings ist das Misstrauen gegenüber der staatlichen Verwaltung sehr ausgeprägt, so dass man gesammelten Gegenstände und Dokumente lieber noch selbst verwaltet. Wie sich allerdings die Zukunft des zivilgesellschaftlichen Aufbruchs unter den Bedingungen des gegenwärtigen Russlands gestaltet, ist zunehmend ungewiss. Dies wird auch an anderer Stelle deutlich. Denn Recherchen und Filmaufnahmen zu diesen Themen werden zunehmend schwierig, da viele Offizielle mit zunehmender Entfernung von Moskau Angst haben Fehler zu machen, die später zu ihren Lasten ausgelegt werden. Aus diesem Grund verweigern sie Genehmigungen, die früher eher gewährt wurden.

Der gut besuchte Abend machte wieder deutlich, dass die Macht der Regierenden über ihre Bürger eingeschränkt werden muss und dass die Freiheit des Individuums und deren Schutz eine zentrale Aufgabe für den Staat sein müssen.

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Zeit der Extreme. Die kurpfälzische Arbeiterbewegung zwischen KZ und GULag

Ausstellung, Vorträge und Diskussion

Das vollständige Programm zum Herunterladen finden Sie hier.

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Ludwigshafen: 3. November 2014 bis 28. November 2014

 

Mannheim: 1. Dezember 2014 bis 10. Dezember 2014

 

Veranstaltungen in Ludwigshafen, Schirmherrin Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse

Montag, 3. November 2014, 18:30 Uhr

Vernissage

Begrüßung: Jürgen Knoll, Bezirksgeschäftsführer ver.di Pfalz

Grußwort: Bürgermeister Wolfgang van Vliet

Einführung: Dr. Inge Münz-Koenen, Kuratorin der Ausstellung, ›Ich kam als Gast in euer Land gereist …‹

Vortrag: Prof. Dr. Dr. hc. Hermann Weber, Eröffnungsvortrag

Musikalische Begleitung                 Städtische Musikschule Ludwigshafen

Zur Veranstaltung: Dr. Inge Münz-Koenen spricht zur Entstehung und Stationen der Ausstellung. Die in dieser Ausstellung dokumentierten Familiengeschichten zeigen das tragische Schicksal deutscher Hitlergegner in der Sowjetunion der Stalinzeit. Der Nestor der Kommunismus-Forschung Prof. Dr. Hermann Weber referiert zum Themenkomplex „Deutsche Kommunisten im Stalinismus“.

Mittwoch, 5. November 2014, 18:30 Uhr

Führung durch die Ausstellung: Jens Vetter

Vortrag: Dr. Klaus J. Becker, Sozialdemokratischer Bildungsverein Mannheim-Ludwigshafen

›Zwischen KZ und GULag. Das Schicksal der Ludwigshafener Brüder Adam und Hermann Remmele‹

Zur Veranstaltung: Die Gebrüder Remmele waren hochrangige Funktionäre der Kurpfälzischen Arbeiterbewegung. Die Spaltung der Arbeiterbewegung ging auch durch diese Familie. Beide Brüder wurden zu Verfolgten totalitärer Regime. Adam Remmele wurde Opfer der Nationalsozialisten; Hermann Remmele von den eigenen Genossen in der Sowjetunion erschossen.

Mittwoch, 12. November 2014, 18:30 Uhr

Thema: Kampf ums Erbe. Zur gemeinsamen Vergangenheit von SPD und Linkspartei

Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Klaus Schönhoven (Einführungsvortrag), Prof. Dr. Klaus Kinner (Einführungsvortrag), Thomas Trüper, Die Linke, Mannheim; Martin Wegner, SPD Vorderpfalz; Jürgen Knoll, ver.di Pfalz; Dr. Klaus J. Becker (Moderation)

Zur Veranstaltung: Wem gehört das Erbe der Arbeiterbewegung? Zwei Parteien des Bundestages berufen sich auf die Geschichte der Arbeiterbewegung. Die eine Blick auf eine 150jährigen Parteigeschichte zurück; die andere stehen in der Tradition der ostdeutschen SED. Doch lässt sich die Geschichte der Arbeiterbewegung parteipolitisch aneignen? Prof. Klaus Schönhoven, namhafter Historiker der Arbeiterbewegung und Prof. Klaus Kinner, Historiker und ehemaliger Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen loten die kontroversen Eckpunkte der Geschichte der Arbeiterbewegung aus und diskutieren mit Martin Wegner (SPD), Thomas Trüpper (Die Linke) und Jürgen Knoll über trennende und verbindende Traditionsstränge und ihre Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft beider Parteien.

Donnerstag, 20. November 2014, 18:30 Uhr

Lesung: Dr. Regina Heilmann, ›Durch den Schnee‹ von Warlam Schalamow

Einführung: Prof. Dr. Heidrun Kämper

Musikalische Begleitung: Städtische Musikschule Ludwigshafen

Zur Veranstaltung: Walam Schalamow war neben Alexander Solschenizyn einer der bekanntesten literarischen Chronisten des GULag. Seine Erzählungen gehören zu den herausragendsten Leistungen der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Der Autor geht der Schlüsselfrage des 20. Jahrhunderts nach: Wie können Menschen, die über Jahrhunderte in der Tradition des Humanismus erzogen wurden, Auschwitz, Kolyma hervorbringen? Schalamow zieht den Leser in die Gegenwart des Lageralltags hinein. Es gibt keine Hoffnung auf einen Ausweg: „Viele Kameraden sind gestorben. Aber etwas, das stärker ist als der Tod, ließ ihn nicht sterben. Liebe? Erbitterung? Nein. Der Mensch lebt aus denselben Gründen, aus denen ein Baum, ein Stein, ein Hund lebt.“ Eine Lesung mit Dr. Regina Heilmann und literaturwissenschaftlichen Einführung durch Prof. Heidrun Kämper.

Mittwoch, 26. November 2014,18:30 Uhr

Zeitzeugengespräch

›Geboren im GULag. Auf den Spuren der russischen Schriftstellerin Jewgenia Ginsburg‹

Antonina Axenowa, Adoptivtochter von Jewgenia Ginsburg, im Gespräch mit dem Dokumentarfilmer Mario Damolin

Moderiert von Dr. Jens Hildebrandt

Zur Veranstaltung: Es vergeht kein Tag an dem Antonia Axenova nicht an ihre ersten Lebensjahre im Kinderheim denken muss. Es gehörte zu einem sowjetischen GULag und lag in der Nähe der Hafenstadt Magadan. Wie und warum sie ins Lager kam, weiß sie nicht. Während dieser harten Jahre lernte Axenova ihre Adoptivmutter Jewgenija Ginsburg kennen. Ginsburg wurde neben Walam Schalamow und Alexander Solschenizyn zur litararischen Chronistin und weiblichen Stimme des GULag. Ihre späteren Erinnerungen Marschroute eines Lebens und Gratwanderung sind eindringliche Zeugnisse über den Häftlingsalltag in Magadan. Antonia Axenova hat gemeinsam mit dem Heidelberger Filmemacher Mario Damolin den Ort ihrer Kindheit besucht. Ein Gespräch über unvorstellbare Erfahrungen und eindringliche Erinnerungen.

Veranstaltungen in Mannheim, Schirmherr Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz

Montag, 1. Dezember 2014, 19:00 Uhr

Vernissage

Begrüßung: Dr. Klaus J. Becker, Sozialdemokratischer Bildungsverein Mannheim-Ludwigshafen

 Grußwort: Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz

Vortrag: Prof. Dr. Werner Müller, ›Der kommunistische Widerstand und die stalinistischen Säuberungen‹

Zur Veranstaltung: Die Geschichte des kommunistischen Widerstandes in Deutschland war keine durchgängige „Erfolgsgeschichte“, sondern eine Politik der Irrtümer und Fehler, die sogar Verbrechen duldete und unterstützte. Kommunistische Widerstandskämpfer wurde in der Sowjetunion nicht nur Opfer der stalinistischen „Säuberungen“, sondern gerieten nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR in die Mühlen der SED-Politik, die bereits Anfang der 50er Jahre auf die Apparat interne „Säuberung von entarteten und feindlichen Elementen“ zielte. Prof. Werner Müller gehört zu führenden Historikern der Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung sowie der DDR-Geschichte.

Dienstag, 2. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Führung durch die Ausstellung: Jens Vetter

Vortrag: Dr. Jens Hildebrandt, Sozialdemokratischer Bildungsverein Mannheim-Ludwigshafen, ›Mannheim—Moskau. Der vergessene Erwin Ries.‹

Zur Veranstaltung: Das Leben und der Tod von Erwin Ries sind ein Mannheimer Schicksal. Ries war mittlerer Funktionär der KPD in der Quadratestadt. Im Moment der nationalsozialistischen Machtergreifung leistete er Widerstand; nur wenig später geriet er im sowjetischen Exil aufgrund von parteipolitischen Verflechtungen in die Mühlen des sowjetischen Terrors. Sein Lebensweg ist kein Einzelschicksal; aber die Erinnerung an ihn verblasst. Seine Biographie steht paradigmatisch für die doppelte Diktaturerfahrung der Deutschen und das 20. Jahrhundert und mit seinen zivilisatorischen Verwerfungen.

Freitag, 5. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Vortrag: Dr. Inna Klause, ›Der Klang des GULag. Musik und Musiker in den sowjetischen Zwangsarbeitslagern der 1920er bis 1950er Jahre.‹

Musikalische Begleitung: Lieder aus dem GULag

Zur Veranstaltung: Es sind „Berge von menschlichem Leid“ mit denen man konfrontiert ist, wenn man sich mit dem Leben im Gulag beschäftigt. Welche Bedeutung hat Musik in einer Welt, die von Krankheit, Tod, aufreibender Arbeit und allgegenwärtigem Hunger bestimmt war? Die Musikwissenschaftlerin Inna Klause gibt einen Einblick in die verordneten Musikaktivitäten der sowjetischen Lageradministration. Das Ziel der Umerziehung durch Kultur stand im höchstmöglichen Gegensatz zu einem selbstbestimmten Musizieren, in dessen Rahmen Musik subversiv gegen das Lagersystem verwendet werden konnte. Musikalische Beispiele werden am Abend einen ästhetischen Eindruck vom „Klang des GULag“ vermitteln.

Montag, 8. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Filmvorführung und Zeitzeugengespräch

Moderation: Prof. Dr. Heidrun Kämper

Zur Veranstaltung: Am 28.1.1967 meldete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS „Westdeutscher Student in Leningrad verhaftet. Wegen Wühlarbeit gegen die Sowjetunion ist am 5. Januar 1967 der westdeutsche Student Volker Schaffhauser in Leningrad verhaftet worden.“ Schaffhauser hatte als Kurier für eine russische Exil-Organisation von Frankfurt aus Untergrundliteratur in die damalige UdSSR geschmuggelt. Darunter waren politische Schriften und Belletristik bspw. des verfolgten Boris Pasternak. Er wurde zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. 1998 dreht der Heidelberger Filmemacher Marion Damolin einen 45 Min. über sein Schicksal und besuchte mit Schaffhauser das Gefängnis und die Wärter von damals. Am Abend wird der Film gezeigt und anschließend reflektieren Volker Schaffhauser und Mario Damolin gemeinsam mit Prof. Heidrun Kämper die vergangene Zeit.

Mittwoch, 10. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Finissage

Begrüßung zum ›Tag der Menschenrechte‹: Daniel Strauß, Vorsitzender des Landesverbands Baden‑Württemberg der Sinti und Roma

Zur Ausstellung ›Ich kam als Gast in euer Land gereist … Die Familiengeschichte Remmele in Moskau und Tomsk bis 1956‹ Dr. Inge Münz-Koenen, Kuratorin, in Anwesenheit von Ruth Santos, geb. Remmele

Vortrag: Prof. Dr. Peter Steinbach, ›Richtig erinnern – aber wie? Vom schwierigen Umgang der Deutschen mit ihrer doppelten Diktaturerfahrung‹

Zur Veranstaltung: Der Tag der Menschenrechte bietet den Anlass, die Geschichte des 20 Jahrhundert kritisch zu reflektieren und die aktuelle Bedeutung der doppelten Diktaturerfahrung der Deutschen herauszuarbeiten. Beide Diktaturen – die NS-Gewaltherrschaft und das SED-Regime – dürfen nicht nur in Analogien, sondern müssen auch in ihren Unterschieden gesehen werden. Bei der Annäherung an die Frage „Richtig erinnern – aber wie?“ gilt es nicht nur die wissenschaftliche Perspektiven zu berücksichtigen, sondern auch subjektive Erfahrungen von Zeitzeugen und Überlebenden sichtbar zu machen und mit Einfühlungsvermögen der Opfer beider Diktaturen zu gedenken. Als hervorragender Kenner bundesdeutscher Erinnerungspolitik und Erinnerungsdiskurse wird Prof. Steinbach in seinem Vortrag die Frage und die Möglichkeiten des „richtigen Erinnerns“ ausloten.

Zeit der Extreme.

›Die kurpfälzische Arbeiterbewegung zwischen KZ und GULag‹

ist eine gemeinsame Ausstellung von ver.di Pfalz und dem Sozialdemokratischen Bildungsverein Mannheim-Ludwigshafen unter Verwendung der Wanderausstellung »›Ich kam als Gast in euer Land gereist…‹ Deutsche Hitlergegner als Opfer des Stalinterrors«, erstellt von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Die Ausstellung ist zu sehen:

In Ludwigshafen, ver.di-Haus, Kaiser-Wilhelm-Straße 7, 67059 Ludwigshafen vom 3. November 2014 bis 28. November 2014, montags bis donnerstags von 8:00-12:00 Uhr und 13:00-16:30 Uhr, freitags von 8:00-13:00 Uhr.

Schulklassen, Gruppen etc. bitten wir um telefonische Anmeldung unter (06 21) 59 184-0.

In Mannheim, Kulturhaus RomnoKher, B 7, 16, 68159 Mannheim vom 1. Dezember 2014 bis 10. Dezember 2014, montags bis donnerstags von 9:00-17:00 Uhr.